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Kennen Sie einen Stoff, der gleichzeitig stärkt, vor UV-Licht sowie Flammen schützt, als Antioxidans wirkt – und noch dazu nachhaltig und klimafreundlich ist? Joana Gil und Dr. Wienke Reynolds arbeiten mit ihrem Hamburger Deep Tech Startup LignoPure an der Entwicklung von genau so einem Material – und zwar bei uns im Sirius Business Park Buxtehude!

Wir finden es immer spannend, wenn wir dank unserer vielseitigen Mieter:innen Einblick in ganz unterschiedliche Branchen bekommen. Mit seinem innovativen Konzept hat das Unternehmen LignoPure schon direkt beim Einzug unsere Neugier geweckt. Darum freuen wir uns sehr, dass die beiden Gründerinnen, nachdem sie sich inzwischen mit ihrem Team in der neuen Fläche eingerichtet haben, Zeit für ein Gespräch hatten.

Stellt euch und euer Unternehmen doch erstmal kurz vor: Wie kam es vor zwei Jahren zu der Gründung von LignoPure und was macht ihr eigentlich genau?

Wir haben uns an der TU kennengelernt, wo wir als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen an der Weiterverwertung und Produktentwicklung von Lignin geforscht haben. Lignin ist ein Biopolymer, das z.B. in Bäumen und Getreide vorkommt. Es fällt auch als Abfallprodukt in Bioraffinerien und in der Papierindustrie an – weltweit werden so ca. 50 bis 100 Millionen Tonnen Lignin produziert, aber: Nur 2 bis 5 % davon werden weiterverwendet!

Dabei ist Lignin ein Stoff mit vielseitigen und sehr nützlichen Eigenschaften, ähnlich wie Cellulose. In der Natur verleiht es Pflanzen auf vielerlei Weise Widerstandsfähigkeit: Es gibt Stabilität, schützt vor UV-Strahlen und wirkt als Antioxidans sowie als antimikrobielle Barriere.

Darum haben wir uns gefragt: Warum benutzt das niemand? Es wäre doch toll, wenn wir all diese Funktionen auch für den Menschen nutzbar machen könnten! Wir haben eine neue Technologie entwickelt, um Lignin zu transformieren und für verschiedene Produkte einzusetzen, z.B. in der Kosmetik. Diese Technologie haben wir uns nun patentieren lassen und konnten so eine technologische Lücke zwischen Produzenten und Endverbraucher schließen.

Gibt es denn auch andere Firmen, die so etwas anbieten?

Es gibt ein paar Firmen, die auch in diese Richtung arbeiten, aber wir haben ein ganz eigenes Konzept. Zum einen ist es gar nicht so leicht, Lignin weiter zu verarbeiten – eben gerade, weil es so resilient ist, man könnte sogar sagen widerspenstig! Bei LignoPure verzichten wir dennoch auf eine chemische Verarbeitung, denn wir möchten das Material so natürlich wie möglich belassen.

Zum anderen hat Lignin, wie bereits erwähnt, sehr viele verschiedene Eigenschaften und kann daher für ganz unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden. Die meisten Unternehmen konzentrieren sich nur auf einen Anwendungsbereich. Wir finden jedoch: Die große Stärke von Lignin liegt darin, dass ein einziger Inhaltsstoff viele Vorteile bietet. Momentan konzentrieren wir uns auf die Anwendung in der Kosmetik und allein dort kann Lignin eine Vielzahl von Funktionen erfüllen.

Viele bislang verwendete Inhaltsstoffe stehen in letzter Zeit immer mehr in der Kritik, weil sie gesundheits- und umweltschädlich sind, z.B. bei Sonnencremes. Da stehen ja viele Produkte im Verdacht, krebserregende Substanzen zu enthalten. Zudem belasten einige Inhaltsstoffe, etwa Kunststoffmikropartikel, die Umwelt. Darum gibt es inzwischen auch immer mehr Sonnencremes mit mineralischem UV-Filter. Allerdings sieht man damit sieht oft aus wie ein Gespenst, weil sie die mineralischen Pigmente eine weiße Schicht auf der Haut bilden. Lignin ist hier eine hervorragende Alternative: Es schützt vor UV-Licht, schadet aber weder der Gesundheit noch der Umwelt und es hinterlässt keine weiße Farbe! Und das ist jetzt nur ein Beispiel für die Vielzahl von Produkten, die durch Lignin verbessert werden können.

Allgemein scheinen sich immer mehr Unternehmen Gedanken über klima- und umweltfreundliche Produkte zu machen. Würdet ihr sagen, dass die Wirtschaft insgesamt „grüner“ wird?

Ja, es gibt definitiv eine starke Entwicklung zu mehr Nachhaltigkeit. Und zwar auf verschiedenen Ebenen: Einerseits nehmen die politischen Vorgaben und Regularien zu, andererseits möchte auch eine wachsende Zahl an Firmen von allein aktiv werden. Natürlich fehlen vielerorts noch verbindliche Standards und es findet auch Greenwashing statt.

Dennoch ist das alles viel mehr als nur ein Trend oder eine Mode. Immer mehr Stakeholder bringen ihr Know-How mit. Auch in der Start-up-Szene haben wir das ganz deutlich gemerkt: Noch vor wenigen Jahren waren Investoren an Themen wie Nachhaltigkeit und Impact gar nicht interessiert, das hat sich jetzt total geändert! Durch dieses wachsende Interesse sehen wir für uns die Chance, das von LignoPure entwickelte Material in höherwertigen Produkten einzusetzen.

Seit dem Sommer 2021 seid ihr Mieter bei uns im Sirius Business Park Buxtehude. Wieso habt ihr euch für diese Adresse entschieden?

Das ist eine lustige Geschichte, denn eigentlich wollten wir hier als Untermieter einer befreundeten Firma einziehen – nun kam es aber genau andersherum! Der Business Park war in der Hamburger Start-up-Szene bereits bekannt. Als wir dann zusätzlich zu unserem Hamburger Hauptsitz eine größere Produktionsfläche gesucht haben, kamen wir auf die Idee, hier gemeinsam einzuziehen. Da es bei uns dann doch schneller ging als bei den Kolleg:innen aus dem anderen Start-up, sind wir nun die Hauptmieter geworden.

Wie empfindet ihr das Arbeiten an dem Standort?

Für uns bringt der Sirius Business Park als ehemaliger Produktionsstandort genau die richtigen Voraussetzungen mit. Unsere Halle hat eine gute Größe, es ist Licht, Strom usw. vorhanden. Einiges musste noch auf unsere Bedürfnisse angepasst werden, aber wir werden von dem Center Manager Lars hervorragend betreut und es ließen sich alle technischen Anforderungen umsetzen.

Auch die gesamte Nachbarschaft ist für uns sehr interessant: Hier sitzen einige potentielle Kunden, etwa aus der Kosmetikbranche, sodass wir unser Netzwerk weiter aufbauen können.

Außerdem ist Buxtehude nicht nur nah an unserem Hauptsitz in Hamburg-Harburg – es hat auch einen gewissen Coolness-Faktor! Viele wissen ja gar nicht, dass diese Stadt tatsächlich existiert, in anderen Regionen Deutschlands gilt Buxtehude eher als Synonym für „ganz weit weg“. Und gerade Deep Tech Startups konzentrieren sich vor allem im süddeutschen Raum oder rund um Frankfurt am Main. Daher finden wir es gut, die Szene hier bei uns im Norden zu stärken und Buxtehude in unserer Branche auf die Landkarte zu setzen!

Was sind eure Pläne für das Jahr 2022?

Wir möchten die Produktion aufnehmen und mit unserem Produkt LignoBase an den Markt gehen – dafür haben wir jetzt bereits die Pilotanlage installiert. Anschließend wird die Produktionskapazität hochgefahren. Wir planen dabei, auch weiterhin in dieser Anlage zu bleiben und unser Kundenportfolio zu erweitern. Vielleicht werden wir in Zukunft nicht nur kosmetische Inhaltsstoffe, sondern auch fertige kosmetische Produkte anbieten. In jedem Fall bleiben wir weiterhin innovativ und forschen an neuen Technologien.

Gleichzeitig möchten wir unseren Impact in Sachen Nachhaltigkeit noch weiter verbessern. So könnten die Bioraffinerien z.B. direkt mit der von LignoPure entwickelten Technologie arbeiten, sodass aufwendige Transporte zu uns entfallen.

Außerdem würden wir gern einen Startup-Hub in Buxtehude ins Leben rufen und gemeinsam Sachen entwickeln!

Abschließend noch eine letzte Frage: Was ist eure große Vision für die Zukunft?

Wir möchten Materialien für die Industrie anbieten, die gut für die Welt und für unsere Gesundheit sind. Daran denken viele vielleicht in erster Linie nicht, wenn es um Impact und Umweltschutz geht: Nachhaltigkeit ist mehr als nur CO2 sparen – es geht genauso um das Wohlbefinden von uns Menschen!

Dazu gehört auch das Thema Gender Equality. Ohne es uns gezielt vorzunehmen, sind wir lange ein reines Frauenteam gewesen, inzwischen haben wir aber auch männliche Kollegen. Für uns gehen all diese Themen Hand in Hand.

Da können wir nur zustimmen und dem ganzen Team von LignoPure weiterhin viel Erfolg wünschen! Wir bedanken uns ganz herzlich für das Gespräch und den interessanten Ausblick auf die Technologien der Zukunft.

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